Kaiserlicher Rundweg bei Porta Westfalica

Eine Wanderung auf historischen Wegen am Südhang und auf dem Kamm des ostwärtigen Wiehengebirges von rund 11,5 Kilometern Länge mit immerhin rund 320 Höhenmetern steht auf dem Programm. Mit Ausblick auf die Norddeutsche Ebene, die Weser-Auen und das Minden-Ravensberger Hügelland. Und mit viel Historie. Es wird eine erlebnisreiche Tour und es ist eine der schönsten unserer Region.

Schon von unserem Parkplatz aus ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal eine imposante Erscheinung.
Schon von unserem Parkplatz aus ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal eine imposante Erscheinung.

Start am Kaiserhof

Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Rundwanderweg nicht durchgängig als solcher ausgeschildert ist. Er hätte das Zeug zu einem Premiumwanderweg, zweifellos! Wir kombinieren heute mehrere Wege miteinander, kommen so dann also doch in den Genuss einer gut ausgeschilderten Strecke. Den Anfang machen wir auf dem Parkplatz Unterm Willem.

Von dort kommend queren wir die viel befahrene Portastraße und erreichen das etwas antik wirkende Fachwerkensemble des Hotel Kaiserhofs. Auf dessen Parkplatz halten wir Ausschau nach der Markierung A1 mit weißer Schrift auf schwarzem Grund und folgen ihr nach links gehend und verlassen sogleich den Parkplatz und wandern in den Wald.

Der gut ausgeschilderte A1 nimmt uns zu Beginn bei der Hand.
Der gut ausgeschilderte A1 nimmt uns zu Beginn bei der Hand.

Zeitsprung ins Jahr 500 vor Christus

Dem A1 folgen wir nun gleich eine ganze Weile auf breiteren Wegen durch den Laubwald. Die Autos der parallel verlaufenden Straße hören wir hin und wieder, aber sie stören nicht sonderlich. Wir halten uns an der dreiteiligen Weggabelung links und dann geht es auch allmählich bergauf.

Eine Infotafel gibt Aufschluss über die Geschichte der Dehmer Burg.
Eine Infotafel gibt Aufschluss über die Geschichte der Dehmer Burg.

Nach insgesamt knapp vier Kilometern erreichen wir die erste Station unserer heutigen Reise in die Geschichte und die führt uns weit zurück. Und zwar in das Jahr um 500 vor Christi Geburt. Denn zu diesem Zeitpunkt baute die hier ansässige Bevölkerung eine Fliehburg an dieser Stelle, die Dehmer Burg. Den tief eingeschnittenen Hohlweg zu dem Punkt, wo einst das Burgtor war, können wir heute noch gut erkennen. Mit etwas Fantasie auch den Burggraben und den Wall, auf dem die Holzpalisaden standen.

Tief eingeschnittene Hohlwege führen uns langsam bergauf.
Tief eingeschnittene Hohlwege führen uns langsam bergauf.

Auf Hohlwegen und steilen Serpentinen

Wir gehen weiter und halten uns an der nächsten T-Kreuzung rechts und gehen nun selbst durch einen tief in den Hang gezogenen Hohlweg, der unsere Köpfe gar überragt. Mehrere solcher Hohlwege begleiten uns nun ein Stück, ehe der A1 uns nach rechts abbiegen lässt und nun unsere Kondition auf die Probe stellen will.

Eine ganz eigentümliche Atmosphäre begleitet uns auf diesem Wegabschnitt.
Eine ganz eigentümliche Atmosphäre begleitet uns auf diesem Wegabschnitt.

Zunächst geht es noch einigermaßen harmlos bergauf, aber dann immer steiler und schließlich fast alpin und in engen Serpentinen auf schmalen Pfaden den Hang des Wiehengebirges hoch. Gleichzeitig ist dieser Wegabschnitt aber so schön und so urig, dass wir es trotz der Anstrengung genießen und uns wie in eine andere Welt versetzt fühlen. Auf halber Strecke steht eine etwas in die Jahre gekommene Bank – ihr Angebot sollten wir ruhig annehmen…

Enge Serpentinen schrauben sich hier den Hang des Wiehengebirges hoch.
Enge Serpentinen schrauben sich hier den Hang des Wiehengebirges hoch.

Wilder Schmied und Wittekind

Denn bis zum Kamm setzt sich dieser Weg genauso anstrengend fort. Oben angekommen, stehen wir fast sogleich im Biergarten des Ausflugslokals Wilder Schmied. Wir haben Durst, der Schmied hat Getränke – das passt. Rustikale, westfälische Küche gibt es hier obendrein. Und wer nun wissen möchte, was es mit dem Namen der Gaststätte auf sich hat, der findet hier die passende Legende.

Oben angekommen wartet der Wilde Schmied bereits auf uns.
Oben angekommen wartet der Wilde Schmied bereits auf uns.

Wenn wir uns ausgiebig gestärkt haben, halten wir uns aus dem Biergarten kommend rechts und folgen nun der rotweißen Markierung des Wittekindsweges. Er wird uns nun bis zu seinem Endpunkt, dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal oberhalb von Porta Westfalica geleiten. Insgesamt führt er auf 95 Kilometern von Osnabrück bis hin zum Ende des Wiehengebirges an der Porta Westfalica. Der Weg ist nach dem Sachsenherzog Wittekind benannt.

Der Wittekindsweg ist übrigens Teil des europäischen Fernwanderweges E11.
Der Wittekindsweg ist übrigens Teil des europäischen Fernwanderweges E11.

Malerisch auf dem Kamm

Ganz malerische, eher schmalere Wege führen uns nun über den Kamm des Wiehengebirges. Höhenmeter machen wir hier nun kaum noch. Wir können uns auch ganz und gar auf die Stille des Waldes und das uns umgebende Blätterrascheln in den Wipfeln konzentrieren. Denn auf den nächsten zwei Kilometern buhlt sonst nichts um unsere Aufmerksamkeit.

Die Aussichtspunkte lohnen den Abstecher leider nicht. Wir werden aber wenig später entschädigt.
Die Aussichtspunkte lohnen den Abstecher leider nicht. Wir werden aber wenig später entschädigt.

Es gäbe zwar hin und wieder die Möglichkeit, einen der in die Jahre gekommenen Ausblickpunkte zu besuchen, doch sind diese so zugewuchert, dass es sich nicht lohnt. Etwas abseits des Weges liegt auch die Wittekindsquelle, der wir eine Stippvisite widmen könnten. Doch sie ist versiegt und ein eher trauriger Ort.

Die Wittekindsquelle führt schon recht lange kein Wasser mehr.
Die Wittekindsquelle führt schon recht lange kein Wasser mehr.

Archäologische Sensation am Wegesrand

Doch sie ist Teil der früheren Wittekindsburg. Die Befestigungsanlage war wohl etwa 660 Meter lang und rund 100 Meter breit. Ost- und Nordwall sind zum Teil noch gut erhalten. Der Nordwall liegt hinter der hier den Gebirgskamm bildenden Kalksandsteinklippe. Doch wir bekommen davon auf unserem Weg nicht ganz viel mit oder zu sehen. Stattdessen zeigen uns Wegweiser alsbald aber den Weg nach rechts, treppaufwärts zu einer kleinen Sensation. Denn oben angekommen wartet die Kreuzkirche Wittekindsberg auf uns.

Diesem Wegweiser sollten wir unbedingt folgen, denn oben erwartet uns Spektakuläres.
Diesem Wegweiser sollten wir unbedingt folgen, denn oben erwartet uns Spektakuläres.

Diese wurde erst Ende der 1990er Jahre entdeckt und ausgegraben. Es handelt sich um mit Lehmmörtel gebundene Fundament- und Mauerreste eines Zentralbaues, der ins 10. Jahrhundert datiert wird. Der Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes ist absolut symmetrisch und etwa 14 m lang wie breit. Eine Frau und vier Kindern lagen in dieser Kirche begraben. Einsehen können wir die archäologische Besonderheit durch Glasfronten, die die Ausgrabungsstätten umgeben.

Die Kreuzkirche Wittekindsberg ist vollständig von Glasfronten umfasst.
Die Kreuzkirche Wittekindsberg ist vollständig von Glasfronten umfasst.
Durch das Glas können wir ins Innere der Grabeskirche schauen.
Durch das Glas können wir ins Innere der Grabeskirche schauen.

Margarethenkapelle und Wittekindsburg

Zurück auf dem Weg können wir uns sogleich auf der gegenüberliegenden Seite ins Unterholz schlagen, denn auch dort geht es historisch-religiös zu. Da nämlich wartet die Margarethenkapelle auf uns. Sie stammt aus dem späten 13. Jahrhundert und wurde vermutlich auf den Grundfesten eines früheren Klosters erbaut. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bau instand gesetzt und ist heute ein echtes Schmuckstück mit einem spartanischen Inneren.

Ende des 19. Jahrhunderts drohte die Margarethenkapelle einzustürzen und wurde daher restauriert.
Ende des 19. Jahrhunderts drohte die Margarethenkapelle einzustürzen und wurde daher restauriert.

Wenig später erreichen wir das nächste Highlight, das Restaurant Wittekindsburg. Die burgähnliche und 1896 innerhalb der Wallburg errichtete Ausflugsgaststätte ist eine imposante Erscheinung und besser in Schuss, als es der erste Anblick vermuten ließe. Wir sollten auf keinen Fall versäumen, dem Biergarten einen Besuch abzustatten, denn von hier haben wir einen fantastischen Blick auf die Weser-Auen und die in ihr gelegenen Seen. Es ist schwer, sich von diesem Anblick wieder zu lösen.

Kurz vor dem 125jährigen Jubiläum: das Ausflugslokal Wittekindsburg.
Kurz vor dem 125jährigen Jubiläum: das Ausflugslokal Wittekindsburg.
Vom Biergarten aus haben wir eine tolle Sicht.
Vom Biergarten aus haben wir eine tolle Sicht.
Unter anderem die Weser und die Seen in ihrer Schleife können wir hier bestens überblicken.
Unter anderem die Weser und die Seen in ihrer Schleife können wir hier bestens überblicken.

Moltketurm und Meeresgrund

Nun geht es Schlag auf Schlag, denn als Nächstes erwartet uns am Wegesrand auch schon der knapp 14 Meter hohe Moltketurm. Benannt ist er nach Generalfeldmarschall Helmuth Karl Bernhard von Moltke (1800–1891), der diese Gegend 1852 besuchte. Die zusätzlichen Höhenmeter auf die Turmspitze können wir uns aber getrost sparen. Denn von dort sehen wir nichts, was wir nicht schon vorher und besser von der Aussichtsplattform des Biergartens gesehen hätten.

Am Moltketurm kommen wir schon wenig später vorbei.
Am Moltketurm kommen wir schon wenig später vorbei.

Wir wandern weiter und gehen nun vorbei an markanten Felsgebilden aus Sandstein. Wir kennen das zum Beispiel von den Dörenther Klippen und anderen ebenso entstandenen Formationen. Hier sehen wir ehemaligen Meeresboden vor uns aufgetürmt. Mit etwas Glück können wir in den Felswänden Fossilarten, Muscheln oder sogar kleine Tintenfische erkennen. Mit sehr viel Glück zugegebenermaßen…

Die Sandsteinfelsen oberhalb der Wolfsschluchthöhle unterziehen wir natürlich einer genaueren Untersuchung!
Die Sandsteinfelsen oberhalb der Wolfsschluchthöhle unterziehen wir natürlich einer genaueren Untersuchung!

Gar nicht zu Gesicht bekommen wir dagegen die Wolfsschluchthöhle, die hier nur etwas unterhalb von uns liegt. Dabei handelt es sich um eine Höhle mit zwei Eingängen, in der früher der Porta-Sandstein abgebaut wurde. Deutliche Spuren handwerklicher Tätigkeiten sind zu erkennen, wie Schrotspuren, also schräge Linien, mit dem Meißel geschlagen, auch Linien ähnlich einem Fischgrätenmuster, dann viereckige Vertiefungen, die wohl einmal Balken trugen. Die Höhle ist sogar begehbar.

Es lohnt sich nun, auch etwas abseits der Wege einen Blick zu riskieren.
Es lohnt sich nun, auch etwas abseits der Wege einen Blick zu riskieren.

Kaiserlicher Abschluss

Wir aber gehen nun endlich ein bisschen weiter und erreichen schließlich das imposanteste Highlight dieser Tour, das Kaiser Wilhelm-Denkmal. Es zeigt ein Standbild Kaiser Wilhelms des I. (1797-1888), das innerhalb von vier Jahren an der Porta Westfalica auf dem Wittekindsberg errichtet wurde. Der „Willem“ thront als zweithöchstes Denkmal Deutschlands 268 Meter hoch auf dem Wittekindsberg in Porta Westfalica. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist ein Monument mit Fernwirkung und zugleich das Wahrzeichen einer gesamten Region.

Dann gehen wir auf Kaiser Wilhelm zu. Er kehrt uns zunächst den Rücken.
Dann gehen wir auf Kaiser Wilhelm zu. Er kehrt uns zunächst den Rücken.

Es bietet ein einzigartiges Panorama. Wir sehen auf dem Jakobsberg den Fernsehturm, den wir bei anderer Gelegenheit schon bestiegen haben, wir sehen natürlich den Weserdurchbruch, noch mehr Weserauen, schauen Barkhausen und Porta Westfalica hinab und auf das vor uns liegende Weserbergland.

Der Eingang des Besucherzentrums am Kaiser-Wilhelm-Denkmal und auf der Anhöhe gegenüber der Fernsehturm.
Der Eingang des Besucherzentrums am Kaiser-Wilhelm-Denkmal und auf der Anhöhe gegenüber der Fernsehturm.
Blick hinunter nach Porta Westfalica.
Blick hinunter nach Porta Westfalica.

Übrigens kam der Kaiser selbst zur Eröffnung im Jahr 1896 – und zwar mit der Bahn. Ein Sonderzug brachte sie nach Minden, mit der Kutsche ging es weiter zur Porta Westfalica.

In der denkmalgerecht wieder errichteten Ringterrasse nach historischem Vorbild befindet sich ein modernes Besucherzentrum. An sechs Stationen taucht der Besucher in die Geschichte des 88 Meter hohen Monuments und seiner Umgebung ein: von den Römern in Germanien über Preußens Pathos bis zum Elend der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in den Stollen direkt unter dem Monument.

Die Größe des Denkmals kann ein Foto nicht wiedergeben, man muss einfach hin!
Die Größe des Denkmals kann ein Foto nicht wiedergeben, man muss einfach hin!

Von der Plattform, auf der auch das Besucherzentrum beheimatet ist, suchen wir uns dann die Ausschilderung A2. Sie führt uns zum Wanderparkplatz mit Kiosk, über die Kaiserstraße und recht steil abwärts auf schmaleren Wegen vorbei an der Freilichtbühne Porta bis zurück zu unserem Ausgangspunkt dieser erlebnisreichen Wanderung.

Über hübsche Waldwege führt uns der A2 schließlich recht steil bergab zurück zum Parkplatz Unterm Willem.
Über hübsche Waldwege führt uns der A2 schließlich recht steil bergab zurück zum Parkplatz Unterm Willem.

Warum will ich das wandern? Viele Aussichten, abwechslungsreiche Streckenführung, viel Geschichte, viel Sehenswertes, etwas körperliche Ertüchtigung, Ausflugslokale, Spirituelles und Archäologisches und am Ende der Kaiser persönlich. Für meinen Geschmack mit Abstand eine der schönsten Strecken unserer Region! Ich plädiere nachhaltig für eine Ausschilderung und Zertifizierung als Premiumwanderweg.

Bewertung
Natur ★ ★ ★ ★ ★  
Ausblicke ★ ★ ★ ★ ★
Abwechslung ★ ★ ★ ★ ★ 
Romantik ★ ★ ★ ★ ★
Kaiser-Faktor ★ ★ ★ ★ ★

INFOS
Rundwanderweg, 11,5 km lang
Höhenmeter: 317 hm
Gehzeit: 3,5 Stunden
Schwierigkeit: schwer
Start: Parkplatz Unterm Willem (Fürs Navi: Park & Ride Parkplatz zum Kaiser Wilhelm Denkmal, Unterm Willem, 32457 Porta Westfalica)

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About Wandervogel77

Am Liebsten draußen und auf Wanderwegen unterwegs. Von Osnabrück über das Münsterland, von Rhein bis Mosel, vom Teuto bis zu den Alpen - kein Wanderweg ist vor mir sicher!
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