Teutoschleife Tecklenburger Bergpfad

Der Tecklenburger Bergpfad lädt uns ein, die Fachwerkidylle Tecklenburgs, Brochterbecks Dorfidylle, unberührte Natur, Weitblicke ins Münsterland und vieles mehr zu erleben. Und das auf gerade mal 10,5 Kilometern. Kann das sein? Ja, es kann.

Fachwerkhaus mit blühendem Obstbaum und Schild Tecklenburger Bergpfad
Die sehr gute durchgängige Ausschilderung des Tecklenburger Bergpfad macht uns die Orientierung leicht.

Wir starten unsere Wanderung auf der „Tecklenburger Bergpfad“, der zu den Teutoschleifen gehört, am Parkplatz „Münsterlandblick„. Der hält, insbesondere bei gutem Wetter, was sein Name verspricht . Bevor es richtig los geht, genießen wir also die tolle Aussicht auf das Tecklenburger Umland, das wir uns heute erwandern wollen. Wenn wir uns satt gesehen haben, halten wir uns in Richtung Westen entlang der Straße Am Weingarten. Kurz vor dem Hotel Bismarckhöhe biegen wir nach links ab. Wir verlassen jetzt das Siedlungsgebiet Tecklenburgs und betreten den Teutoburger Wald. Das ist einerseits sehr schön, andererseits etwas schade, denn von Tecklenburg haben wir noch nicht viel gesehen. Wir nehmen uns das als Belohnung nach getaner Wanderung vor.

Rolandsgrab
Etwas gruselig gähnt uns das Rolandsgrab aus dem Felsen entgegen.

Über verschlungene, schmale Pfade, breitere Abschnitte und vereinzelt über Treppen geht es nun schnurstracks nach unten. Rund 60 Höhenmeter bergab machen wir in kürzester Zeit. Nach gut einem Kilometer und einem kurzen Anstieg er reichen wir das sog. Rolandsgrab und gruseln uns kurz ein wenig. Denn das gähnende schwarze Loch im Felsen sieht alles andere als einladend aus. Der Legende nach hat es sich ein niederländischer Kaufmann als Grab in den Felsen schlagen lassen. Und der hieß – man ahnt es schon – Roland. Doch al s solches ist es nie genutzt worden, was ihm zumindest ein bisschen an Schrecken nimmt. Ganz Mutige trauen sich hinein. . . Aber auch unsere nächste Station ist geeignet , ein kleines bisschen Gänsehaut zu verursachen.

Vom Rolandsgrab zum Heidentempel

Wanderweg
Der Tecklenburger Bergpfad führt uns tiefer in den Teutoburger Wald hinein.

Denn unsere nächste Station, die uns nach wenigen hundert Metern in Empfang nimmt , ist der Heidentempel . Seinen Namen hat er von unseren Vorfahren, die hier den heidnischen Göttern Tieropfer brachten. Zumindest hoffen wir, dass sie es bei Tieropfern beließen. In den Felsen können s ich noch die Rinnen entdecken lassen, die dazu dienten, das Blut der geschlachteten Tiere ablaufen zu las sen. Schnell weiter.

Der Weg beschreibt eine kaum merkliche Schleife nach links und wir passieren fast unbemerkt Kobbosruh. Wir genießen die schöne Aussicht auf den Südabhang des Bergzuges. Vor uns schauen die Kirchtürme Brochterbecks hinter den Höhen hervor und unter uns schlängelt sich der Schienenstrang der Teutoburgerwald-Eisenbahn durch ein bewaldetes Tal. Was würde der alte Graf Kobbo, der vor mehr als 1000 Jahren hier geherrscht haben soll, dazu sagen, wenn er das Bähnchen dort unten fauchen und pfeifen hörte?!

Wir folgen dem Weg weiter – nun spürbar mit Linksdrall – vorbei an Gut Stapenhorst und biegen schließlich nach rechts ab in den Wallenweg, dem wir nur kurz folgen. Denn dann biegen wir nach links ab, legen einen kurzen Anstieg hin und biegen dann wieder nach rechts ab und gehen entlang von gelb leuchtenden Feldern schnurgeradeaus .

Weitblicke ins Münsterland

Wanderliege mit Ausblick
Auf dem Plateau angekommen, erwartet uns eine Wanderliege mit prächtigem Ausblick.

Ein etwas knackigerer Anstieg führt uns danach auf ein Plateau oberhalb eines ehemaligen Kalksteinbruchs, der inzwischen zum Teil mit Wasser gefüllt ist. Der Weitblick ist atemberaubend – wir erahnen die Weite der Münsterländischen Parklandschaft bei diesem Anblick. Nur vereinzelt sehen wir die Häuser der kleinen Ortschaft Wallen-Lienen. Eine Ruhebank bietet Gelegenheit, diesen Ausblick ausgiebig zu genießen. Da lassen wir uns nicht zweimal bitten, denn fast die Hälfte ist schließlich schon geschafft .

Nach der Pause steigen wir hinab nach Brochterbeck, wo uns ein schmaler Pfad, der zu beiden Seiten viel Grün bietet, in Empfang nimmt und abseits der gut frequentierten Straße weiter führt. Vom Verkehr bekommen wir hier jedoch nichts mit. Wer nun noch etwas mehr von Brochterbeck sehen möchte, der biegt nach rund 200 Metern nach links in den Wallenweg, den wir schon früher getroffen haben, ein und hält sich dann Richtung Ortskern. Der ist tatsächlich wirklich schmuck und den Abstecher allemal wert. Nicht zuletzt deshalb ist das Örtchen auch staatlich anerkannter Erholungsort!

Ein kleines Stückchen geht es anschließend doch noch entlang der Straße Im Bocketal, doch das liegt schnell hinter uns und wir treffen einen alten Bekannten: den Hermannsweg. Ihm folgen wir von nun an auf unserem Rückweg nach Tecklenburg. Er begrüßt uns mit einem anständigen Aufstieg. Nach einigen hundert Metern leistet sich die Teutoschleife aber noch einen kleinen Abstecher vom Hermannsweg – vollkommen zu Recht! Denn ohne sie bliebe der schöne Blücherfelsen unentdeckt. Und das wäre wirklich schade.

Blücherfelsen und Waldkapelle

Blücherfelsen
Der Blücherfelsen am Tecklenburger Bergpfad lädt ein, die Sonne zu genießen.

Der Felsen ist übrigens nach dem preußischen Generalfeldmarschall Blücher, bekannt als “Marschall Vorwärts”, benannt , der ab 1803 Militärgouverneur in Westfalen war . Ob er wirklich, wie man sich erzählt, hier oben gesessen und die Aussicht genossen hat? Wir jedenfalls tun genau das. Denn der Felsen ist eine echte Sonnenterrasse, bestens geeignet, um sich hier ein wenig die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen und die Aussicht zu genießen. Danach geht’s zum nächsten Rendezvous mit Hermann.

Ein kleines Wegstück und der Hermannsweg hat uns zurück und führt uns weiter bergauf. Schon nach wenigen Schritten erreichen wir die kleine Brochterbecker Waldkapelle. Gebaut wurde die Kapelle „Maria Wegweiserin“ von der Brochterbecker katholischen Jugend in den Jahren 1934/35 auf dem Grund der Familie Stallmeier . Geweiht wurde sie am 18. August 1935 an Mariä Himmelfahrt.

Waldkapelle Brochterbeck
Der Tecklenburger Bergpfad führt uns weiter zur Waldkapelle Brochterbeck.

Zu Hochzeiten kamen ganze Busse mit Gläubigen vorgefahren, Mai-Andachten wurden hier abgehalten. Dieser katholische Tourismus hat nachgelassen, aber der Zauber der kleinen Kapelle ist noch heute sehr präsent. Wer auch immer an der Kapelle vorbei geht, wird auch einkehren und möglicherweise auch eine Kerze entzünden. Halterungen für 50 Teelichter gibt es hier, fast immer ist die Mehrheit in Benutzung. Mehr als 6000 solcher Teelichter werden hier jedes Jahr entzündet…

Ganz gleich, ob wir es den vielen Gläubigen gleichtun oder nicht – uns nimmt anschließend wieder der Hermannsweg bei der Hand und wir folgen ihm rund zwei Kilometer, ehe die Teutoschleife Tecklenburger Bergpfad ihm wieder den Rücken kehrt. Bzw. die Seite. Denn wir biegen nach links ab und laufen nun parallel zum Hermannsweg auf dem ungleich schöneren Waldlehrpfad weiter.

Waldlehrpfad meets Tecklenburger Bergpfad

Infotafel am Waldlehrpfad
Ab jetzt verläuft der Tecklenburger Bergpfad über den Waldlehrpfad, bei dem wir viele Infos über die Flora und Fauna bekommen.

Der Waldlehrpfad ist in vielerlei Hinsicht die bessere Alternative zum – auf diesem Teilstück – recht breit angelegten Hermannsweg. Statt „Wanderautobahnen“ erwarten uns schmale Pfade, deren weiteren Verlauf wir meist nur auf wenige Meter erahnen können – toll! Außerdem erfahren wir an Info-Tafeln eine Menge über den Lebensraum Wald und die uns umgebenden Bäume. Die wiederum sind oft nicht typisch für die Region und eigens für den Waldlehrpfad angepflanzt worden – ein kleiner botanischer Gar ten am Wegesrand sozusagen.

Als wäre das nicht schon genug, hat s ich das Projektbüro Teutoschleifen noch eine weitere Besonderheit ausgedacht . Auf halber Strecke nach Tecklenburg macht uns eine „goldene Treppe“ staunen. 130 Stufen mit einem goldenen Streifen in der Mitte führen nach rechts in die Höhe. Wollte man zurück zum Hermannsweg – edler könnte man nicht zu ihm aufsteigen. Wir aber wollen nicht. Stattdessen folgen wir dem schmalen Pfad weiter und er reichen schließlich wieder die Straße Am Weingarten, an der auch der Parkplatz mit unserem Auto wartet.

Besuch am Bismarckturm

Bismarckturm Tecklenburg
Bevor wir den Parkplatz erreichen, treffen wir noch auf den Bismarckturm Tecklenburg.

Auf dem Weg zum Parkplatz passieren wir den schmucken Bismarckturm, der auch bestiegen werden kann. Den Schlüssel für den Turm bekommen interessierte Wanderer im benachbarten Hotel Bismarckhöhe.

Dass der Turm ein wenig an eine Windmühle erinnert, ist übrigens kein Zufall. Bi s zu einem Blitzschlag und einem verheerenden Brand stand hier tatsächlich von 1851 bis 1906 eine Windmühle. Auf deren Rumpf, der nach dem Feuer der traurige Rest der Mühle war, setzte der Bismarckverein des Kreises Tecklenburg den Turm auf.

Innerhalb des Turms führt eine Treppe mit 53 Stufen über zwei Innenumgänge zum oben gelegenen Aussichtsbereich. Acht jeweils annähernd quadratische Fensteröffnungen ermöglichen die Aussicht in die Umgebung. Über eine eiserne Leiter ist die Feuerschale erreichbar. Hier endet nun unsere Tour über den Tecklenburger Bergpfad. Doch wir haben noch einen Leckerbissen übrig.

Für www.muensterland.de bin ich den Tecklenburger Bergpfad auch schon einmal mit der Videokamera gewandert. das hier ist dabei heraus gekommen:

Tecklenburg erkunden

Hexentanzplatz Tecklenburg
Das malerische Tecklenburg hat eine Menge zu bieten wie hier den Hexentanzplatz nahe der Burgruine.

Nach unserer Wanderung auf dem Tecklenburger Bergpfad gönnen wir uns noch einen Abstecher ins Örtchen Tecklenburg. Auf dem Höhenzug des Teutoburger Waldes inmitten einer herrlichen Natur liegt der Luft- und Kneippkurort Tecklenburg, der nun noch darauf wartet, von uns entdeckt zu werden. Und zu entdecken gibt es eine Menge! Der malerische Ortskern mit den vielen kleinen inhabergeführten Geschäften, die Ruine der alten Tecklenburg, in der heute die weithin bekannte Freilichtbühne untergebracht ist, das Wasserschloss Haus Marck und ungewöhnliche Gastronomie wie das unweit von Haus Marck gelegene Restaurant Fabula. Oder das Puppenmuseum. Oder das Otto-Modersohn-Museum. Es gäbe noch so viel mehr, was wir hier er leben und erkunden könnten!

Mitten im Ort befindet sich das Haus des Gastes, wo es nicht nur viele Infos rund um das kleine Bergstädtchen gibt, sondern auch den Startpunkt für eine weitere kleine Wanderung: der sieben Kilometer lange Hexenpfad führ t zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten Tecklenburgs. Aber vielleicht nehmen wir uns das einfach für einen zweiten Besuch auf dem „Balkon des Münsterlandes “ vor…

Ohrwurm für diese Wanderung: Beautiful

Will ich das wandern? Unbedingt. Ohne Einschränkung und zu jeder Jahreszeit. Mehr Abwechslung auf so kurzer Strecke als auf dem Tecklenburger Bergpfad geht nicht.

Bewertung
Natur ★ ★ ★ ★ ★
Ausblicke ★ ★ ★
Abwechslung ★ ★ ★ ★ ★
Romantik ★ ★ ★ ★
Grusel-Faktor ★ ★ ★

INFOS
Rundwanderweg, 10,5 km lang
Gehzeit: 4 Stunden
Schwierigkeit: mittel
Start: Parkplatz Münsterlandblick, Am Weingarten

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Am Liebsten draußen und auf Wanderwegen unterwegs. Von Osnabrück über das Münsterland, von Rhein bis Mosel, vom Teuto bis zu den Alpen - kein Wanderweg ist vor mir sicher!
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