Schlangenpättken und Drei-Täler-Weg

Wir schicken uns an, von Mettingen nach Ibbenbüren zu laufen – und zurück. Keine Sorge, das klingt erstmal mehr als es ist! Gerade mal knapp 14 km und rund 200 Höhenmeter erwarten uns auf dieser Tour. Wir folgen dabei gleich zwei Wegen mit klangvollen Namen: das Schlangenpättken führt uns hin, der Drei-Täler-Weg wieder zurück.

St. Agatha in Mettingen ist abermals Ausgangspunkt unserer Wanderung.
St. Agatha in Mettingen ist abermals Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Start im Herzen von Mettingen

Wir starten unsere Tour mit dem Schlangenpättken direkt im Herzen Mettingens, an der St. Agatha Kirche. Die neuromanische Basilika wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und steht heute unter Denkmalschutz. Auch ein Besuch im Inneren der wuchtigen, imposanten Kirche lohnt sich übrigens.

Vor der Kirche entdecken wir dann auch schnell das Zeichen unseres ersten Weges: eine grüne Schlange in S-Form auf weißem Grund. Ihr und ihren Richtungspfeilen können wir auf den nächsten Kilometern folgen und uns auch stets auf ihr Erscheinen zum richtigen Zeitpunkt verlassen. Ob der Name unseres Weges auf seiner Form, die ein wenig an eine Schlange erinnert, zurückgeht oder ob es dafür andere Gründe gibt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Wer es besser weiß, kommentiert bitte gerne unten!

Wiedersehen mit dem Köllbach.
Wiedersehen mit dem Köllbach.

Kuriosum am Schlangenpättken

Schnell führt uns das Schlangenpättken aus dem Ortskern zum Köllbach, wo wir ein sehr kurzes Stelldichein mit dem Teutoschleifchen Köllbachtal haben. Für uns aber geht es nicht ins Tal, sondern nun erstmal rechts des Köllbachs bergauf bis wir schließlich den Rastplatz Heinrichshöhe erreichen.

Diesen lauschigen Platz sollten wir uns kurz genauer ansehen, denn hier wartet ein Kuriosum auf uns. Auf dem Platz steht ein 23 Millionen Jahre alter versteinerter Baumstumpf. Er wurde in den 1970er Jahren in einem der Bergbauschächte der Region entdeckt. Es ist ein Siegelbaum, der heute in unseren Breitengraden längst nicht mehr heimisch ist. Sein Fundort, so berichtet die Info-Tafel, lag satte 766 Meter unter der Erdoberfläche.

Hübsch, abwechslungsreich und gut beschildert: Das Schlangenpättken kann sich sehen lassen.
Hübsch, abwechslungsreich und gut beschildert: Das Schlangenpättken kann sich sehen lassen.
Satte 23 Millionen Jahre auf dem Buckel: der versteinerte Baumstamm am Wegesrand.
Satte 23 Millionen Jahre auf dem Buckel: der versteinerte Baumstamm am Wegesrand.

Rauchende Schlote

Über ein kleines Pättken erreichen wir die Bergstraße und folgen ihr nach links und passieren den Friedhof. Wir überqueren die Straße Zum Nordschacht, die uns abermals daran erinnert, dass wir in einer Bergbauregion unterwegs sind. Durch ein kleines Wäldchen und über die Schwarze Straße gehen wir, gelangen an eine Koppel und sehen dann auch schon in einiger Entfernung das Kohlekraftwerk Ibbenbürens vor uns rauchen.

Verlaufen können wir uns auf dem Schlangenpättken wirklich nicht.
Verlaufen können wir uns auf dem Schlangenpättken wirklich nicht.

Gut einen Kilometer geht es nun durch eher dünn besiedeltes Gebiet und schließlich erreichen wir schon die weiträumige Umzäunung des Kraftwerkgeländes, das wir nun zur Hälfte umrunden. Ab hier folgt der etwas weniger idyllische Teil dieser Tour, denn nun treten wir doch recht lange Asphalt. Wir erreichen schließlich Ibbenbüren und die Osnabrücker Straße und sehen das Kraftwerk nun von vorne.

Das Kohlekraftwerk in Ibbenbüren bekommen wir auch von vorne zu sehen.
Das Kohlekraftwerk in Ibbenbüren bekommen wir auch von vorne zu sehen.

Zum Von-der-Heydt-Schacht

Wir queren die viel befahrene Straße und gehen geradeaus in die Straße Bergeshöhe. Hier müssen wir etwas achtgeben, denn unser Schlangenpättken biegt alsbald nach rechts ab in die Straße Von der Heydt, das ist leicht zu übersehen. Hier geht es nun zwischen Grün und Häusern bergab bis wir an das nächste Bergbau-Relikt kommen.

Rechts unseres Weges reckt sich ein efeuberanktes Sandsteingebäude in die Höhe, der Von-der-Heydt-Schacht. Ab 1852 wurde hier Kohle gefördert, zeitweise mit einer dampfbetriebenen Seilbahn. Pferdekarren transportierten die Kohle dann zum Ibbenbürener Bahnhof. 1885 war hier allerdings bereits Schicht im Schacht, mehrere Gebäude blieben aber erhalten.

Auch am Von-der-Heydt-Schachte führt uns das Schlangenpättken vorbei.
Auch am Von-der-Heydt-Schachte führt uns das Schlangenpättken vorbei.

Hallo, Drei-Täler-Weg!

Wir treffen abermals auf die Osnabrücker Straße, folgen ihr kurz nach links und biegen dann rechts ab und folgen den Straßen Rohmanns Anlagen und der Rohmannstraße. Und dort ist auch Schluss mit unserem Schlangenpättken, das uns treu bis nach Ibbenbüren geleitet hat. Wir sagen vielen Dank und Auf Wiedersehen und zugleich: Hallo, Drei-Täler-Weg. Denn der nimmt uns mit seiner Beschilderung hier nahtlos in Empfang. Leider werden wir feststellen, dass er uns nicht ein ganz so treuer Wegbegleiter ist.

Ganz so gebirgig, wie es auf dem Schild den Anschein hat, geht es auf dem Drei-Täler-Weg wirklich nicht zu...
Ganz so gebirgig, wie es auf dem Schild den Anschein hat, geht es auf dem Drei-Täler-Weg wirklich nicht zu…

Über ein äußerst langweiliges Wegstück – vor allem entlang des eher schmucklosen Mühlenwegs – führt er uns wieder aus dem Ibbenbürener Ortsteil heraus. Schließlich überqueren wir die Straße und biegen nach rechts in den Wald ein. Und vor uns erstreckt sich nun die schon das erste der drei Täler, das Fahlbachtal. Den Namensgeber treffen wir nach einem guten Kilometer Wegstrecke rechts des Weges. Wir begleiten ihn einige hundert Meter.

Schattige und sonnige Passagen wechseln sich auf dem Drei-Täler-Weg ab.
Schattige und sonnige Passagen wechseln sich auf dem Drei-Täler-Weg ab.

Nicht immer ist die Beschilderung hier so eindeutig wie beim Schlangenpättken und das ist schade. Es empfiehlt sich also, mindestens für diesen Streckenabschnitt eine Karte oder den GPX-Track (unten über Outdooractive zum Download) dabei zu haben.

Leider nicht immer so gut ausgeschildert wie hier: der Drei-Täler-Weg.
Leider nicht immer so gut ausgeschildert wie hier: der Drei-Täler-Weg.

Der perfekte Picknickplatz

Schließlich biegen wir nach rechts ab in den Lärchenweg, passieren einen nachbarschaftlichen Treff- und Rastplatz, den wir aber ungenutzt rechts liegen lassen. Denn noch etwa hundert Meter die Straße bergauf wartet ein ungleich schönerer Picknickplatz auf uns. Zwei aus großen Baumstämmen gesägte Bänke, ein kleiner Tisch und ein hübscher Blick warten an sonniger Stelle hier auf uns.

Wanderer, kommst du nach Mettingen - dann mach' hier mal ruhig Rast!
Wanderer, kommst du nach Mettingen – dann mach‘ hier mal ruhig Rast!

Inzwischen haben wir übrigens auch einen alten Bekannten getroffen, der uns nun ein Stück begleitet, den wunderbaren Rundwanderweg M7. Mit ihm zusammen gehen wir weiter über den Lärchenweg und eine sehr steil abfallende Wegpassage und wieder in den Wald, nachdem wir den Ölmühlenweg gequert haben.

Aberwitzig steiler Weg, auch wenn es auf dem Bild nur schwer zu erkennen ist...
Aberwitzig steiler Weg, auch wenn es auf dem Bild nur schwer zu erkennen ist…

Zurück in der Tüöttengemeinde

Wir biegen sogleich nach links ab und haben nun zu unserer Linken das Stille Tal liegen oder auch das Ölmühlenbachtal. Wald zur Rechten, Wiesen zur Linken – so gehen wir weiter und erreichen wieder den Ölmühlenweg. Er beschreibt eine Kurve, wir gehen mit. Wir überqueren die Schwarze Straße und nähern uns jetzt zwischen Feldern laufend wieder Mettingen. Den Ortskern erreichen wir über den Grünen Weg und die Bischofsstraße und stehen schon bald wieder am Ausgangspunkt unserer Tour im Herzen der Tüöttengemeinde.

Zwischen Feldern geht es zurück nach Mettingen.
Zwischen Feldern geht es zurück nach Mettingen.

Kleiner Exkurs zum Schluss: Als Clemens und August Brenninkmeyer 1841 ihr erstes Textilgeschäft eröffneten, begann damit die Unternehmensgeschichte des C&A-Konzerns. Zuvor hatten die Brenninkmeyers wie auch viele andere Handelsleute als sogenannte Tüötten ihren Lebensunterhalt verdient: Von Mettingen aus, einer beschaulichen Gemeinde im nördlichen Tecklenburger Land, verkauften sie als Wanderhändler hochwertiges Leinen in den Niederlanden. An die Geschichte der Tüötten erinnert heute ein liebevoll eingerichtetes Heimatmuseum mitten im Zentrum von Mettingen.

Viele schmucke Fachwerkhäuser und prächtige Villen sehen wir in Mettingen am Wegesrand.
Viele schmucke Fachwerkhäuser und prächtige Villen sehen wir in Mettingen am Wegesrand.

Warum will ich das wandern? Diese Kombination zweier Wanderwege bietet viel Licht, aber eben auch Schatten. Die lange Asphaltpassage ist sicher nicht jedermanns Sache. Doch die restlichen gut zwei Drittel des Weges sind wirklich schön und abwechslungsreich.

Bewertung
Natur ★ ★ ★  
Ausblicke ★ ★
Abwechslung ★ ★ ★  
Romantik ★ ★
Bergbau-Faktor ★ ★ ★  

INFOS
Rundwanderweg, 13,8 km lang
Höhenmeter: ca. 200 m
Gehzeit: 4 Stunden
Schwierigkeit: mittel
Start: Kirche St. Agatha im Ortskern Mettingen (mehrere Parkplätze in unmittelbarer Nähe, fürs Navi: Kardinal-von-Galen-Straße 8, 49497 Mettingen)

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Am Liebsten draußen und auf Wanderwegen unterwegs. Von Osnabrück über das Münsterland, von Rhein bis Mosel, vom Teuto bis zu den Alpen - kein Wanderweg ist vor mir sicher!
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