Rheinsteig: Kamp-Bornhofen bis St. Goarshausen

Am zweiten Tag unserer Wanderung auf dem Rheinsteig geschieht ein kleines Wunder. Wir alle wachen ohne nennenswerten Muskelkater auf. Das mag am exzessiven Einsatz verschiedener Salben und Cremes liegen oder daran, dass die Auswirkungen des Andechser Doppelbocks vom Vorabend uns zu sehr mit einem anderen Kater beschäftigen. Dennoch treffen wir uns pünktlich um 8 Uhr am Frühstückstisch und stärken uns für die Tour von Kamp-Bornhofen nach St. Goarshausen.

Auf dem Rheinsteig von Kamp-Bornhofen nach Kestert
Auf dem Rheinsteig von Kamp-Bornhofen nach Kestert geht es für uns zunächst durch den Wald.

 

Auf dem Rheinsteig von Kamp-Bornhofen nach Kestert
Für die Schönheit des Weges haben wir leider kaum einen Blick in den frühen Morgenstudnen.

Diese Strecke umfasst gleich zwei Etappen des Rheinsteigs, die wir bei der Planung zusammengelegt haben. „Das machen doch alle so“, brummt etwas geringschätzig unser Gastwirt Hans-Werner, als wir ihn beim Frühstück fragen, ob das eine gute Idee war. Selbst gegangen ist er die Strecke freilich nie. In Anbetracht der rund 25 Kilometer und knapp 1000 Höhenmeter haben wir etwas weiche Knie. Kann aber auch ebenfalls am Doppelbock liegen, wer weiß das schon?

Schweißtreibender Schweigemarsch

Die Möglichkeit, in Kestert den Rheinsteig zu verlassen und die restliche Strecke mit dem Taxi zurückzulegen, erscheint heute noch attraktiver als am Vortag, doch wir wollen uns noch nicht festlegen und ziehen erstmal los.

Der Start der heutigen Etappe ist ein kräftezehrender, schweißtreibender Schweigemarsch. Fast von der Höhe des Rheins führt der Zuweg des Rheinsteigs erbarmungslos geradlinig bergauf bis auf knapp 230 Metern Höhe. Glücklicherweise führt die Strecke dabei durch den Wald und die Bäume spenden uns Schatten. Der Himmel ist wolkenlos blau, das Thermometer bewegt sich schon früh auf die 20-Grad-Marke zu und auch im Schatten rinnt der Schweiß als gäb’s kein Morgen.

Blick auf den Rhein
Mit einem grandiosen Blick auf den Rhein werden wir für unsere Mühen belohnt.

Der Rheinsteig kennt keine Gnade

Weniger Schatten aber auch umso mehr Ausblicke gibt der Weg nun frei.
Weniger Schatten aber auch umso mehr Ausblicke gibt der Weg nun frei.

Doch auch als wir endlich den eigentlichen Weg erreicht haben, kennt der Rheinsteig keine Gnade. Es zieht ihn und uns hinauf auf den Bornhofer Berg und somit auf rund 300 Metern Höhe. Als wir bemerken, dass die Steigung nachlässt und das Schlimmste überstanden scheint, sind wir klitschnass geschwitzt – und plötzlich katerfrei. Das Doppelbock ist irgendwo auf dem Weg aus dem Talkessel auf der Strecke geblieben. Befreites Gelächter. Was kann uns nun noch passieren?!

Wie bringen den Flüssigkeitshaushalt mit reichlich Wasser wieder ins Gleichgewicht und genießen den Blick auf den Rhein. Dann nimmt uns der Rheinsteig wieder bei der Hand und führt uns in Serpentinen wieder bergab. Wir queren den Bornhofer Bach und erreichen die „feindlichen Brüder“.

Bei den „feindlichen Brüdern“

Die beiden Burgen Sterrenberg und Liebenstein, die gerade mal 200 Meter voneinander entfernt liegen, bilden dieses schöne Paar. Tatsächlich standen die Erbauer in verwandtschaftlichem Verhältnis zueinander, waren sich aber nicht eben sonderlich grün. Burg Liebenstein ist seit 2002 gar Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal und die höchstgelegene Burg am Mittelrhein.

Wir sehen uns ein wenig in der beeindruckenden Ruine um, ehe wir unseren Weg fortsetzen. Lange Pausen wollen wir vermeiden, denn wir haben inzwischen die Hoffnung, dass wir möglicherweise doch die gesamte Tour schaffen könnten. In der Eile versäumen wir leider sogar, hier ein paar Fotos zu machen.

Schmale Pfade, bunte Blumenwiesen

Rheinsteig
Der Rheinsteig führt vorbei an blumenreichen Wiesen und auf schmalen Pfaden weiter Richtung Kestert.

Markig und bestimmt führt uns der Rheinsteig nun wieder bergauf. Doch wir sind jetzt motiviert und haben auch endlich wieder einen Blick für die Schönheit des Weges. Er führt uns auf schmalen Pfaden über teils felsigen Grund, vorbei an bunt blühenden Blumenwiesen und weitgehend durch die Sonne. Selbst die können wir wieder genießen – und ebenso oftmals die schönen Blicke auf den Rhein. Die sind heute häufig links und rechts eingerahmt durch die Berge, die wir rauf- und runterlaufen.

Auf fast 360 Metern Höhe gehen wir durch das kleine Örtchen Lykershausen, ehe es zunächst moderat bergab über den Meisenkopf zum Aussichtspunkt Hindenburghöhe geht. Wir blicken auf der anderen Seite auf Weiler und Bad Salzig und sehen vor uns im Tal Kestert liegen. Die Tour dort zu beenden, diskutieren wir inzwischen nicht mehr.

Am Georgenbach, vorbei an Kestert

Berge rahmen unseren Blick auf den Rhein.
Berge rahmen unseren Blick auf den Rhein.

Der Rheinsteig führt nun steiler bergab und folgt ein ganzes Stück der Klamm des Georgenbachs. Hier entfliehen wir auch wieder etwas der Sonne und genießen die Kühle, die der kleine Fluss abstrahlt und den Schatten der Bäume, die von ihm genährt werden.

Schließlich erreichen wir den tiefsten Punkt und die Zuwegung nach Kestert liegt vor uns. Es wären nur ein paar hundert Meter, wir können den Ort schon sehen, schütteln aber den Kopf und ziehen weiter. Etwa zwölf Kilometer sind geschafft, wir fühlen uns fit genug für weitere zwölf.

Uschi, Hefeweizen und Heißwurst

Die beginnen mit einem abermals knackigen Anstieg nach Oberkestert, durch das uns der Rheinsteig ebenfalls führt. Am Ende des Ortes erwartet uns „Uschis Wanderstation“ mit einem Platz unter dem Sonnenschirm, einem eiskalten (alkoholfreien) Hefeweizen und einer Heißwurst mit Senf. Wandererherz, was willst du mehr?!

Derart gestärkt gehen wir weiter auf dem Rheinsteig durch die Pulsbachklamm und den Sachsenhauser Wald und erreichen mit 281 Metern Höhe schließlich den höchsten Punkt des zweiten Abschnitts unserer heutigen Etappe. Von hier sehen wir nun auch das erste Mal Burg Maus vor uns auf dem Berg liegen. Dazwischen freilich ein weiteres Tal, das wir zu durchqueren haben.

Burg Maus
Auf dem Hang des Strohbergs thront Burg Maus.
Zunächst führt uns der Rheinsteig bergab ins Tal Richtung Wellmich.
Zunächst führt uns der Rheinsteig bergab ins Tal Richtung Wellmich.

Vorbei an Wellmich zu Burg Maus

Über vergleichsweise breite Wege führt uns der Rheinsteig hinab und wir passieren Wellmich, das hier direkt am Rheinufer liegt und durchqueren das schmale Tal. Auf der gegenüberliegenden Seite schraubt sich der Weg dann auf deutlich schmaleren Pfaden und engen Serpentinen fordernd und schweißtreibend den Strohberg hoch, an dessen Hang Burg Maus auf uns wartet.

Die Burg aus dem 14. Jahrhundert gehört zu den schönsten Trutzanlagen am Rhein und sie ist größtenteils fast orginalgetreu erhalten, bzw. restauriert. Der markante runde Turm, der aus ihr herausragt, die vielen kleineren rechteckigen Türme, die ihn umgeben – sie bilden zusammen ein imposantes Ensemble vor der malerischen Kulisse des Berghangs auf der einen und dem Rhein auf der anderen Seite.

Wer nun allerdings glaubt, mit dem Erreichen der Burg sei der mörderische Anstieg vollbracht, der irrt. Tatsächlich ist hier erst die Hälfte erklommen, der Rheinsteig schraubt sich genauso wie bisher weiter den Strohberg hoch. Schon bald liegt Burg Maus unter uns, Aussichtsplattformen gewähren immer wieder Weitblicke über sie und das Rheintal weit unter uns.

Blick auf Burg Maus von oben
Wir ziehen an Burg Maus vorbei und steigen hinauf auf den Strohberg.

Abstieg nach und Absteige in St. Goarshausen

St. Goarshausen hat viele Reize, unser Hotel gehörte nicht dazu.
St. Goarshausen hat viele Reize, unser Hotel gehörte nicht dazu.

Doch schließlich und endlich ist auch dieser Anstieg geschafft und ab hier verläuft der Rheinsteig weitgehend eben nur mit kleineren Aufs und Abs, die wir inzwischen fast nicht mehr wahrnehmen. Nun kommen wir zum ersten Mal auch an Weinreben vorbei, weiter nördlich gedeihen diese einfach nicht gut genug. Deshalb wird in Kamp-Bornhofen schließlich auch Doppelbock getrunken, in St. Goarshausen dagegen hoffen wir nun auf einen leckeren Riesling.

Der Abstieg ist immens steil, doch uns treibt die Vorfreude auf Dusche und Riesling schnell hinab ins Tal nach St. Goarshausen direkt am Rheinufer. Dort ist unser Hotel schnell gefunden – und eine herbe Enttäuschung. Die ebenso schmutzigen wie unerfreulichen Details möchte ich nicht aufzählen, hoffe aber inständig, dass dieses Hotel nun, ein paar Jahre später, entweder vom Gesundheitsamt geschlossen oder kernsaniert wurde.

Nach einer schnellen Dusche verlassen wir die Bruchbude direkt wieder und machen es uns im Weingarten des Loreley Weinstübchens im Herzen des Städtchens gemütlich. Hier stimmt dann einfach alles: Der Riesling perlt köstlich, der Service ist zurvorkommend und wir genießen einen wundervollen Abend. Von der Gastwirtin erfahren wir, dass am nächsten Tag die „Königsetappe“ des Rheinsteigs vor uns liegt und wir freuen uns. Nur schade, dass wir nicht hier unsere Zimmer gebucht haben, sondern am Ende – etwas weinselig – zurück in unsere schäbige Unterkunft müssen.

Ohrwurm für diese Wanderung: Walk like a man

Warum will ich das wandern? Weil diese Etappe mit ihrer Vielseitigkeit besticht und mit den feindlichen Brüdern und Burg Maus zwei besonders schöne Ensembles aus vergangenen Zeiten am Wegesrand liegen.

Bewertung
Natur ★ ★ ★ ★
Ausblicke ★ ★ ★ ★
Abwechslung ★ ★ ★ ★ ★
Romantik ★ ★ ★ ★
Burgen-Faktor ★ ★ ★ ★

INFOS
Etappenwanderweg, ca. 25 km lang
Höhenmeter: ca. 1000 m
Gehzeit: 8,5 Stunden
Schwierigkeit: schwer
Start: Ortskern Kamp-Bornhofen

Alle Etappen der Rheinsteigwanderung
Rheinsteig: Braubach bis Kamp-Bornhofen
Rheinsteig: St. Goarshausen bis Kaub
Rheinsteig: Von Kaub nach Lorch
Rheinsteig: Von Lorch nach Rüdesheim


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