Moselsteig Etappe 23: Kobern-Gondorf – Winningen

Im Dezember 2016 haben wir uns für ein paar Tage in Koblenz einquartiert, um von hier insgesamt drei Wanderungen zu unternehmen. Einen der Tage nutzten wir, um die Moselsteig Etappe 23 von Kobern-Gondorf nach Winningen zu wandern. Rund 14 Kilometer und etwa 650 Höhenmeter – das klingt nach einer perfekten Wandertour. Und trotz oder wegen der eisigen Temperaturen um den Gefrierpunkt wurde es auch ganz genau das: ein perfekter Wandertag.

Moselsteig mit vereisten Bäumen
Auf dem Kreuzweg geht es bergauf. Die vereisten Bäume und Sträuche verzaubern die Landschaft und uns.

Die Moseltalbahn, die in sehr regelmäßigen Abständen das Moseltal durchfährt und für Wanderer spitzenmäßige Logistik-Möglichkeiten bietet, brachte uns zum Ausgangspunkt. Wir starten unsere Tour am Bahnhof Kobern-Gondorf, von wo aus der schöne Marktplatz des Mosel-Örtchens schnell erreicht ist. Und schon hier ahnen wir, dass uns diese Wanderung wahrscheinlich viele Highlights bescheren wird. Da es noch recht früh und sehr kalt ist, ist der Dorfkern noch verwaist. Doch die kleinen schmucken Fachwerkhäuschen verzaubern auch ohne menschliches Gewusel.

Ausblick ins Moseltal
Auf der Moselsteig Etappe 23 genießen wir immer wieder die tollen Ausblicke ins winterliche Moseltal.

Treffen mit dem Tatzelwurm

Zum ersten Mal treffen wir hier auch auf den Tatzelwurm, der auf dem Marktplatz in Form eines Brunnens verewigt ist. Bei ihm handelt es sich um ein Fabeltier, eine Art Halbdrachen, der in dieser Gegend sein Unwesen getrieben haben soll. Oder tut er das gar heute noch? Ein Weg, der nach ihm benannt ist, wird uns jedenfalls nun ein Stück weit begleiten.

In einiger Entfernung sehen wir die Ruine der Niederburg und machen uns auf den Weg. Vorbei an der Koberner Pfarrkirche St. Lubentius geht es zum ersten Anstieg. Der folgt nun dem Koberner Kreuzweg mit seinen beeindruckenden Stationen. Sie sind allesamt aus Vulkangestein erbaut und führen zu der auf dem Berg gelegenen Matthias-Kapelle.

Weitblicke ins Moseltal

Schon jetzt eröffnen sich immer wieder atemberaubende Weitblicke ins Moseltal. Vor der Kulisse der vereisten Bäume ein echtes Winterwunderland – auch ganz ohne Schnee. Auf dem Höhenrücken folgen wir dem Kreuzweg weiter bis zur Matthiaskapelle und schließlich zur Oberburg. Auch von diesen beiden Punkten genießen wir die Ausblicke auf das Moseltal und die Ruine der Niederburg.

Wanderer auf Moselsteig
Eisig geht es weiter, teils auf schmalen Pfaden, teils auf breiteren Waldwegen.

Über einen schmalen Pfad geht es nach der Burg zunächst wieder abwärts und in den Wald hinein. Immer wieder treffen wir auf Aussichtsbänke, die in Form und Ausprägung an den Tatzelwurm erinnern. Wir entfernen uns auf unserem Weg etwas von der Mosel und folgen dem Tal des Hohensteinbachs bis zum Sauerbrunnen Guidoborn.

Auf schmalen Pfaden bergauf

Ab hier geht es nach rechts und wieder auf die Mosel zu. Doch bevor wir sie wieder zu Gesicht bekommen, gilt es, noch einen etwas grimmigen Anstieg zu bewältigen. Zunächst folgen wir noch breiten Pfaden, doch dann wird der Weg immer schmaler – und immer steiler. Jetzt sind wir ausgesprochen froh, dass hier kein Schnee gefallen ist. Denn dann wäre es hier doch arg gefährlich geworden. Bei Schnee oder Regen ist dieser Abschnitt zweifellos rutschig und nicht ohne. Wir jedoch genießen die klare, kalte Winterluft und schrauben uns mit dem Pfad immer weiter den Berg hoch.

Am Aussichtspunkt Rosenberg angekommen, rasten wir und sind überwältigt von dem Blick. Von hier schauen wir weit über die Mosel und hinunter auf das hinter uns liegende Kobern-Gondorf. Der Wahnsinn. Dies sind die schönsten Wandermomente: Wenn man sieht, wie weit man gekommen ist, wie viele Höhenmeter aus eigener Kraft bewältigt wurden. Und wenn einem die Aussicht fast den Atem nimmt. Bis hierhin haben wir auf dem gesamten Weg übrigens noch keine Menschenseele getroffen. Bis auf wenige Ausnahmen wird das auch bis zum Ende der Moselsteig Etappe 23 auch so bleiben.

Moselsteig auf den Moselhöhen
Wir erreichen dei Moselhöhen. Hier geht es ohne Höhenmeter entspannt weiter. Im Sommer bestimmt noch wesentlich schöner.

Auf den Moselhöhen

Nach der Pause erreichen wir die Moselhöhen und gehen nun zwischen Feldern auf einer Ebene weiter. Das ist nach dem kräftezehrenden Anstieg ganz angenehm, durch die karge Vegetation des Winters aber auch nur mäßig spannend. Im Sommer, wenn alles blüht, muss es auch hier traumhaft schön sein.

Der Weg führt uns weiter ins Belltal und der nächste Anstieg folgt auf dem Fuße. Teils über Treppen, die bei der Überwindung der Trockenmauern helfen, geht es wieder bergauf. Wir erreichen den nächsten Aussichtspunkt, die Blumslay. Die letzte Rast ist zwar noch gar nicht lange her, aber wegen der tollen Aussicht lassen wir uns trotzdem für ein paar Minuten nieder und schauen in die Ferne und auf die Mosel.

Vorbei an der Moseltalbrücke

Das nächste imposante Bauwerk gerät wenig später in den Blick. Nicht sehr romantisch, aber trotzdem beeindruckend: Mit einer Länge von 935 m, einer Breite von 30,5 m und einer maximalen Höhe über Grund von 136 m führt die Moseltalbrücke über den Fluss. Wir unterqueren die Brücke und lassen den Verkehrslärm schon bald wieder hinter uns. Durch Wiesen und Weinberge geht es nun zurück nach Winningen, wo die Moseltalbahn uns alsbald in Empfang nimmt und zurück nach Koblenz bringt.

Wegweiser nach Winningen
Der Moselsteig Etappe 23 nähert sich dem Ende, wir erreichen die Zuwegung nach Winningen.

Ein abwechslungsreicher Weg und eine aussichtsreiche Tour auf dem Moselsteig Etappe 23 liegt hinter uns und für mich steht fest: Diese Wanderung möchte ich irgendwann im Sommer noch einmal wiederholen. Denn zum einen ist diese Etappe wahrlich zauberhaft und zum anderen wird sie im Sommer noch einmal einen ganz anderen Charakter haben. Wir kommen wieder!

Ohrwurm für diese Wanderung: It’s magic

Warum will ich das wandern? Weil die Moselsteig Etappe 23 vermutlich eine der schönsten des gesamten Fernwanderweges ist und das nicht nur bei Sommerwetter!

Bewertung
Natur ★ ★ ★ ★
Ausblicke ★ ★ ★ ★ ★
Abwechslung ★ ★ ★ ★ ★
Romantik ★ ★ ★ ★
Tatzelwurm-Faktor ★ ★ ★ ★ ★

INFOS
Fernwanderweg, 14 km lang
Höhenmeter: 650 m
Gehzeit: 5 Stunden
Schwierigkeit: mittel-schwer
Start: Bahnhof Kobern-Gondorf

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Am Liebsten draußen und auf Wanderwegen unterwegs. Von Osnabrück über das Münsterland, von Rhein bis Mosel, vom Teuto bis zu den Alpen - kein Wanderweg ist vor mir sicher!
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