Bad Iburg: Limberg und Zeppelinstein

Dieses gleich vorweg: Wer ein Freund schmaler, verwunschener Pfade ist, der wird mit dem Terra.track Limberg und Zeppelinstein sicher nicht seinen neuen Lieblings-Wanderweg entdecken. Wer dagegen auch breitere Schotter- und Forstwege nicht scheut, kann nun die Wanderschuhe schnüren und mitkommen auf diese rund neun Kilometer lange Tour bei Bad Iburg. Knapp 150 Höhenmeter sind dabei zu bewältigen.

Hübsche Blüten, aber das alles überragende Drüsige Springkraut, entwickelt sich zur Plage...
Hübsche Blüten, aber das alles überragende Drüsige Springkraut, entwickelt sich zur Plage…

Wir starten auf unserem Rundwanderweg an der beliebten Wassertretstelle unterhalb des Freedens, an der auch der Terra.track Blühender Freeden seinen Anfang nimmt. Von hier folgen wir der Ausschilderung „Limberg und Zeppelinstein“ in nordöstlicher Richtung über den Schotterweg. Der ist vor allem von Buschwerk und dem inzwischen weit verbreiteten Drüsigen Springkraut gesäumt, das hier teilweise eine Höhe von mehr als zwei Metern erreicht. Der Name dieser Pflanze geht auf ihren Fortpflanzungstrick zurück: Durch einen Schleudermechanismus, der schon durch Regentropfen ausgelöst werden kann, schleudern die Früchte ihre Samen bis zu sieben Meter weit weg. Ursprünglich stammt das Springkraut aus dem Himalaya.

Ein Blumen- und Blütenmeer liegt an unserem Weg und bietet das ideale Zuhause für Familie Kohlweißling.
Ein Blumen- und Blütenmeer liegt an unserem Weg und bietet das ideale Zuhause für Familie Kohlweißling.

Wildblumenwiese und Drögensiek

An der Gabelung entscheiden wir uns für den rechten Weg. Die Steigungen sind hier moderater.
An der Gabelung entscheiden wir uns für den rechten Weg. Die Steigungen sind hier moderater.

Nach gut 600 Metern erreichen wir eine langgestreckte Wildblumenwiese, auf der zahlreiche unterschiedliche Pflanzenarten gedeihen. Fast 200 Meter erstreckt sie sich am Wegesrand und bietet ein Zuhause für hunderte Schmetterlinge. Vor allem der Kohlweißling ist hier daheim und sorgt mit einer großen Population für ein tolles, flatterndes Naturschauspiel.

An der nächsten Gabelung halten wir uns rechts und folgen dem breiten Weg, der uns nun in das Waldgebiet Drögensiek führt. Ab jetzt geht es auch kontinuierlich bergauf, die Steigungen sind moderat. Nach gut einem weiteren Kilometer geht rechts ein kleiner Weg ab und diesen winzigen Abstecher leisten wir uns, denn hier wartet der Haasesee auf uns.

Kurze Verschnaufpause am Haasesee. Viele Vokale, aber wenig Wasser.
Kurze Verschnaufpause am Haasesee. Viele Vokale, aber wenig Wasser.

Vom Haasesee zum Zeppelinstein

Wir erreichen ein einzelnen Haus und wenig später wartet der Zeppelinstein auf uns.
Wir erreichen ein einzelnen Haus und wenig später wartet der Zeppelinstein auf uns.

Ganz recht, der schreibt sich mit Doppel-a, denn er hat nichts mit dem Flüsschen Hase zu tun. Seit den 1970er Jahren quert eine Erdgasleitung diese Region und für deren Anlage musste viel Erdreich bewegt werden. Im Zuge dieser Arbeiten hatte Oberförster Fritz Haase (aha!) die Idee, den Freedenbach zu stauen und an dieser Stelle einen Löschteich anzulegen. Das ist der Grund, warum wir hier heute diesen (überschaubar großen) Teich vorfinden und weshalb dieser nach dem Oberförster benannt ist. Eine Schutzhütte für Wanderer steht hier ebenfalls.

Wir setzen unsere Wanderung fort, die uns ziemlich geradlinig weiter und auch immer weiter bergauf führt bis wir an ein Haus gelangen, das hier ziemlich einsam steht. Ab jetzt geht es zunächst wieder bergab bis wir nach insgesamt gut 3,5 Kilometern am Wegesrand auf den Zeppelinstein treffen, der auch eine gute Gelegenheit für eine kleine Rast bietet, denn hier stehen auch ein Tisch und zwei Bänke parat.

Vor mehr als 100 Jahren hing hier ein Zeppelin in den Bäumen...
Vor mehr als 100 Jahren hing hier ein Zeppelin in den Bäumen…

Vorbei am Zeppelinstein

Der Zeppelinstein erinnert an ein Luftfahrtunglück, das sich am 28. Juni 1910 ereignete. An diesem Nachmittag, gegen 17 Uhr, strandete hier das Verkehrsluftschiff LZ7, das unterwegs war, um bei einer Vergnügungsfahrt vor allem die mitreisenden Journalisten für die neuen Zeppeline zu begeistern. Ihre Begeisterung dürfte sich jedoch in überschaubaren Grenzen bewegt haben. Denn nicht nur hatte das Zeppelin Probleme mit dem Motor, es geriet auch noch in ein Unwetter mit Sturm und Schneefall (ja, im Juni). Das Zeppelin landete unplanmäßig in den Baumwipfeln, Personen kamen nicht zu Schaden. Der Vorfall sorgte europaweit für großes Aufsehen und dafür, dass an dieser Stelle der Gedenkstein aufgestellt wurde, an dem wir heute picknicken. Ein Bild von Graf Zeppelin ziert den Stein.

Frisch gestärkt setzen wir unseren Weg auf dem Terra.track Limberg und Zeppelinstein fort. Nachdem wir den Zeppelinstein nun schon gesehen haben, fehlt noch der Limberg in unserer Sammlung. Ihn nehmen wir jetzt in Angriff. Vorbei an einer kleinen Siedlung erreichen wir die Straße Am Limberg und biegen hier nach links ab und wenig später, nach den nächsten Häusern, halten wir uns wieder links.

Heute fällt es schwer zu glauben, dass zu Zeppelinzeiten der Limberg praktisch nicht begehbar war...
Heute fällt es schwer zu glauben, dass zu Zeppelinzeiten der Limberg praktisch nicht begehbar war…

Über den Limberg zurück

Das Wassertretbecken unterhalb des Freedens wartet schon auf unsere heißen Wandererfüße...
Das Wassertretbecken unterhalb des Freedens wartet schon auf unsere heißen Wandererfüße…

Nun führt uns ein breiter Forstweg wieder in den Wald. Abermals geht es leicht bergauf und wir sind nun im Anstieg auf den Limberg. Die Steigungen sind allerdings so moderat, dass sie uns nicht sonderlich anstrengen und kaum merken wir so, dass wir nach einer Gesamtstrecke von sechs Kilometern schon auf dem Berg angekommen sind. Eine Aussicht ist uns hier allerdings leider nicht gewährt, denn der Limberg ist dicht bewaldet. Lange nicht so dicht früher einmal, als es hier vor lauter Bäumen praktisch kein Durchkommen gab. Erst seit dem 20. Jahrhundert ist der Limberg überhaupt durch Wanderwege erschlossen.

Einen guten Kilometer verläuft unser Weg nun weitgehend eben. Dann geht es spürbar bergab und nachdem wir noch eine weitläufigere Serpentine absolviert haben, gerät schon wieder unsere Schmetterlingswiese in das Blickfeld. Das letzte Stück ist identisch mit dem anfänglichen Weg und nach rund 600 Metern sind wir zurück an der Wassertretstelle. Wir ziehen unsere Wanderschuhe aus und gönnen unseren Füßen die Abkühlung im kalten Wasser des Freedenbachs.

Ohrwurm für diese Wanderung: The long and winding road

Warum will ich das wandern? Mit dem Zeppelinstein erschließen wir uns einen historischen Ort und die Schmetterlingswiese ist ebenfalls ein feines Erlebnis. Doch darüber hinaus ist dieser Weg eher reizarm. Durch den festen Untergrund aber auch für schlechteres Wetter gut geeignet.

Bewertung
Natur ★ ★ ★
Ausblicke ★
Abwechslung ★ ★
Romantik ★
Zeppelin-Faktor ★ ★ ★ ★ ★

INFOS
Rundwanderweg, 9 km lang
Höhenmeter: 146 m
Gehzeit: 2,5 Stunden
Schwierigkeit: leicht-mittel
Start: Wander-Parkplatz an der Wassertretstelle

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Am Liebsten draußen und auf Wanderwegen unterwegs. Von Osnabrück über das Münsterland, von Rhein bis Mosel, vom Teuto bis zu den Alpen - kein Wanderweg ist vor mir sicher!
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